LEXIKON / GLOSSAR
Die Klassifikation des Diabetes mellitus
Bei Typ-1-Diabetes (10 % der Erkrankten) handelt es sich um eine Glukosestoffwechselstörung, bei welcher die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse (= Betazellen) durch eine Autoimmunerkrankung zerstört werden. Körpereigene Abwehrstoffe – sogenannte Antikörper – vernichten im Rahmen einer Entzündungsreaktion diese hormonproduzierenden Betazellen. Durch den rasanten Verlust der Betazellen wird der Betroffene absolut insulinpflichtig und muss sich mehrmals täglich Insulin spritzen. Betroffen sind meist Jugendliche (juveniler Diabetes), diese Form des Diabetes kann jedoch in jedem Alter auftreten. Beim Typ-2Diabetiker (85–90 % der Erkrankten) findet sich, meist in Zusammenhang mit bauchbetonter Fettansammlung, hohem Blutdruck und Fettstoffwechselstörungen, eine verminderte Wirksamkeit des Insulins im Gewebe und eine gestörte Ausschüttung (Sekretion) von Insulin. Es entsteht ein Missverhältnis zwischen Insulinangebot und Insulinbedarf.
Neben dem Typ-1- und Typ-2-Diabetes gibt es weitere Formen, die jedoch sehr selten auftreten (genetische Schädigung der Betazellen oder der Insulinwirkung, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse, hormonell bedingte Erkrankungen). Besonders zu erwähnen ist der Gestationsdiabetes oder auch Schwangerschaftsdiabetes (siehe „Schwangerschaftsdiabetes – was ist das?“).

Acarbose: orales Antidiabetikum (blutzuckersenkend)
Adipositas: sehr starkes Übergewicht, Fettleibigkeit
Albumin: Eiweißart
Angiopathie – diabetische: Gefäßschädigungen als Folge von Diabetes (Mikro- und Makroangiopathie)
Arterien: große Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut führen
Atherosklerose: Arterienverkalkung durch Ablagerung von Fetten in den Gefäßwänden
Azeton: Abfallprodukt der Fettverbrennung
Basistherapie: wesentlichster Bestandteil der Diabetestherapie, bestehend aus Ernährungs- und Bewegungstherapie
Basis-Bolus-Therapie: zweiteilige Insulintherapie; einerseits Abdeckung der Insulingrundversorgung mittels langwirksamen oder Basisinsulin und andererseits ein kurzwirksames, direkt zu den Mahlzeiten gespritztes Insulin
Bauchspeicheldrüse oder Pankreas: größte menschliche Drüse, produziert Verdauungssäfte (exokrin) und Hormone (Insulin)
Blutdruck: „Auswurfkraft“ vom Herzen weg: normaler systolisch arterieller Druck von 100–130 mmHg in Ruhe und Dauerdruck in den Gefäßen: diastolische Wert 60–85 mmHg in Ruhe
Blutzucker: Zuckergehalt des Blutes; postprandial: 1–2 Std. nach der Mahlzeit gemessen; nüchtern (NBZ): morgens im nüchternen Zustand gemessen
Broteinheit (BE): Einheit für Kohlenhydrate, die in Lebensmitteln enthalten sind. 1 BE = 10–12 g Kohlenhydrate
B-Zelle oder Beta-Zellen: insulinproduzierende Zellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse
Diabetes mellitus: Zuckerkrankheit
Dialyse: Trennung der Schadstoffe aus dem Blut mittels mechanischer Hilfe, dem Dialysegerät („künstliche Niere“)
Dylipidämie: Störung der Blutfette
Einstellung: Erreichen der angestrebten Zielwerte mittels guter medikamentöser Therapie oder vernünftiger Ernährung und Sport
Fettstoffwechselstörungen: hohes ungünstiges LDL-Cholesterin, niedriges günstiges HDL-Cholesterin und eine Erhöhung der Triglyceride
Fuß – diabetischer: Folgeerkrankung mit Durchblutungs- und/oder Empfindungsstörungen des Fußes
Gangrän: Wundbrand, nach einer infizierten Verletzung (vor allem diabetischen Fuß)
Gestationsdiabetes: Störung des Stoffwechsels, der erstmalig in der Schwangerschaft auftritt
Glukagon: blutzuckersteigerndes Hormon aus den Langerhansschen Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Setzt Zuckerreserven der Leber frei
Glukose: Traubenzucker
Glukosetoleranztest – oraler (oGTT): Zuckerbelastungstest zur Früherkennung von Diabetes mellitus
Glukosetoleranz – gestörte: festgestellt beim oralen Glukosetoleranztest; daraus kann sich Diabetes mellitus entwickeln
Glukosewert oder Blutzuckerwert: Konzentration des Zuckers im Blut
Glykämischer Index (GI): Maß für den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen
Glykogen: Speicherform des Zuckers in der Leber oder Muskulatur
Harnzucker: Zuckerausscheidung im Harn
Hyperglykämie: stark erhöhter Blutzuckerspiegel
Hyperinsulinämie: zu hohe Konzentration von Insulin im Blut
Hypertonie: Bluthochdruck
Hypoglykämie: Zuckermangel
Inselzellen oder Langerhanssche Inseln: in der Bauchspeicheldrüse. Darin enthaltene Alpha-Zellen produzieren Glukagon. Die B- oder Beta-Zellen schütten Insulin aus.
Insulin: blutzuckersenkendes Hormon
Insulinanaloga oder Analoginsuline: gentechnologisch geringfügig veränderte Insulinformen
Insulinpen: tragbare Insulinspritze mit austauschbaren Patronen und Nadeln
Insulinpumpe: Insulindosiergerät
Insulinresistenz: Wirkungslosigkeit des Insulins im Körper
Intensivierte Insulintherapie (ICT) siehe Basis-Bolus-Therapie
Kalorie: Maßeinheit für den Nährwert von Lebensmitteln
kardiovaskulär: das Herz und die Gefäße betreffend
Ketoazidose: lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, durch absoluten Insulinmangel
Kohlenhydrate (KH): Hauptnährstoff und Energielieferant, vorwiegend pflanzlicher Herkunft
Koma diabeticum oder Coma diabeticum: Endstadium einer Entgleisung des Stoffwechsels (= Bewusstseinsverlust); entsteht bei Insulinmangel
kontraindiziert: ein bestimmtes Mittel oder ein Verfahren ist nicht anzuwenden
Konventionelle Insulintherapie (CT): Mischung aus Normal- und Verzögerungsinsulin
Kortison: hormonähnlicher Wirkstoff, der die Entstehung von Diabetes begünstigt
Makroangiopathie: Schäden der großen Blutgefäße
Metabolisches Syndrom oder diabolisches Quartett: von Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und gestörtem Glukose-Stoffwechsel
Mikroalbuminurie: Ausscheidung kleiner Mengen Albumin über den Urin; erstes Zeichen einer Nierenschädigung durch langfristig überhöhte Blutzuckerwerte
Mikroangiopathie: Schäden der kleinen Blutgefäße
Mischinsulin oder Kombinationsinsuline: Präparate von unterschiedlicher Wirkungsdauer (kurzwirkend und langwirkend) in festem Mischungs-verhältnis
Morbidität: Verbreitungsgrad einer Erkrankung
Nephropathie – diabetische: Schädigung kleinster Nierengefäße; Folgeerkrankung von Diabetes mellitus, bis hin zum Nierenversagen
Neuropathie – diabetische: Nervenschädigungen; periphere: Schädigung der Nerven an den Füßen; autonome: Schädigung der Nerven von Herz-Kreislauf-System, Magen-Darm-Trakt, Uro-Genital-Trakt
nichtproliferativ: mit Blut unterversorgte Netzhautbezirke im Auge durch mangelnde Bildung von kleinen Blutgefäßen
Niereninsuffizienz oder Nierenversagen: über Monate oder Jahre voranschreitender Verlust der Nierenfunktion
Osteoarthropathie – diabetisch neuropathische oder Charcot-Fuß: infektiöse Zerstörung von Knochen und Gelenken
Pankreas: siehe Bauchspeicheldrüse
Pankreatektomie: chirurgische Entfernung der Bauchspeicheldrüse
Polyneuropathie: Erkrankung peripherer Nerven (periphere Neuropathie)
Proteinurie: Eiweiß im normalerweise eiweißfreien Harn; häufige Ursache ist eine Nierenschädigung durch schlecht eingestellten Diabetes
Reflektometer: Blutzuckermessgerät
Resorption: Auf- oder Einsaugen
Retina: Augennetzhaut
Retinopathie – diabetische: Schäden an den Blutgefäßen der Augen
Symptom: fassbares Zeichen einer Krankheit
Thrombose: Verschluss eines Gefäßes durch ein Gerinnsel (Thrombus); vor allem in den tiefen Beinvenen
Ulkus/Ulcus: Geschwür
Unterzucker: siehe Hypoglykämie
Verzögerungsinsulin: Beimengung von Verzögerungssubstanz (meist NPH: Neutrales Protamin Hagedorn) zum Insulin, um längere Wirkung des Insulins zu gewährleisten; wird langsamer aus dem Unterhautfettgewebe in die Blutbahn abgegeben
Zuckerersatzstoffe oder Süßstoffe: fast oder völlig energiefrei und daher vorteilhaft für Diabetiker

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